1. Machen Sie sich stark für Ihre Kinder!

Guten Tag,
mein Name ist Eva-Maria Pitman. Ich bin systemische Kinder- und Jugendtherapeutin, Paar-und Familientherapeutin.
 
Mir fällt auf, dass sich das Thema „Smartphones in Kinderhänden“ rasant verbreitet. Eltern sitzen in meiner Praxis und suchen Rat, ab wie viel Jahren denn nun Smartphones für ihre Kinder geeignet seien, wie sie ihre Kinder vor zu viel Nutzung und schädlichen Inhalten schützen können und ob sie denn überhaupt schon mit 7 Jahren ein Smartphone besitzen und ins Internet gehen sollen. Andererseits gäbe es ja wirklich auch schon für Kinder tolle Apps und damit sie später im Leben erfolgreich wären, sei es doch wichtig, up to date und mit den Dingen vertraut zu sein.
 
Die Frage ist, ob es überhaupt noch darum geht, unseren Kindern ein Smartphone zu geben oder nicht, sondern vielleicht vielmehr darum, ab welchem Alter? Und: Was wir tun können, um sie vor zu häufiger Nutzung und falschen Inhalten zu schützen? Ich stelle mir die Frage: Wie sehr ist das Smartphone bereits zu einem Teil unseres Lebens geworden? Es ist unglaublich: erste Studien zeigen, daß die Hirnregion, die den Daumen steuert, in den letzten 10 Jahren bei Jugendlichen viel größer geworden ist. Es haben sich dort immer feinere, dichtere Vernetzungen ausgebildet, die so erstaunlich schnelle Daumenbewegungen möglich machen.
 
Sie als Eltern bewegen sicherlich viele Fragen und Themen rund um Smartphones, Internetnutzung, Chatten und Spielen. Diese Kolumne wird Ihnen helfen, mehr Sicherheit und Entscheidungsfähigkeit hinsichtlich Ihrer Fragen zu erwerben.
 
Erst einmal: Gratulation, dass Sie verantwortungsvoll sind, sich informieren und sich mit dem Thema auseinandersetzen!
 
Tatsache ist: Nach den Ergebnissen einer Umfrage (BITKOM, Kinder und Jugend 3.0) benützen bereits ein Fünftel der 6- bis 7jährigen Smartphones. Im Alter von 12 bis 13 Jahren gehören Smartphones mit einer Verbreitung von 85 Prozent zur Standardausstattung. Für die 16- bis 18jährigen Jugendlichen ist das Smartphone das wichtigste Zugangsgerät zum Internet: 89 Prozent gehen damit ins Web.
 
Nach einer Studie von McAfee vertrauen 71 Prozent der Eltern darauf, dass ihre Kinder sich verantwortungsvoll im Internet bewegen. 40 Prozent der befragten Jugendlichen geben an, dass sie ihren Browser minimieren, wenn die Eltern ins Zimmer kommen, 31 Prozent löschen den Verlauf. 41 Prozent der Jugendlichen gehen auf Websites, die ihnen die Eltern verbieten würden.
 
Vielleicht bewegt Sie auch die Frage, ob Sie denn Ihrem Kind nun die Nutzung ihres Smartphones einschränken oder bestimmte Funktionen sogar verbieten sollen? Ich sage: Ja! Und würde es gerne umformulieren: Sagen wir doch: Schützen Sie Ihr Kind! Je jünger Ihr Kind ist, desto wichtiger! Sie haben die Verantwortung. Die Verlockung, länger zu chatten, mehr zu spielen und doch noch auf den nächsten spannenden Link zu klicken, ist einfach zu groß. Bunte Bildchen, verführerische Versprechen oder die Aussicht auf ein Gewinnspiel sind einfach zu verlockend. Oder doch noch mal schnell der Freundin im Chat antworten, dann muss diese noch schnell das Geschriebene kommentieren und so geht es hin und her…. kennen wir das nicht selbst? Und vielleicht müssen wir auch selbst einmal unser Mediennutzungsverhalten überprüfen.
 
Ich bin der Meinung, dass Eltern und Erwachsene ihre Kinder auf dem Weg in die digitale Welt, die wir bereits zu unserer gemacht haben, unterstützen und begleiten sollen. Das heißt einerseits, sie konkret zu schützen und anderseits mit ihren Kindern in Beziehung und Kontakt über diese Themen zu bleiben. In einer späteren Kolumne werden Sie mehr von mir darüber erfahren.
 
Für heute bedanke ich mich bei Ihnen, daß Sie sich für Ihre Kinder stark machen und vorbeigeschaut haben und freue mich auf nächste Woche.
 
Ihre Eva-Maria Pitman
 
 

Auf diese Kolumnenthemen können Sie bereits gespannt sein:
 

  • Ab welchem Alter kann ich meinem Kind ein Smartphone anvertrauen? Braucht es überhaupt ein Smartphone?
  • Was kann ich tun, wenn es immer wieder zum Streit bei der Smartphone-Nutzung kommt?
  • Wieviel ist zu viel Nutzung von Chat, Spiel und Internet?
  • Sie tun immer das allerbeste, was Sie als Eltern gerade tun können! Bleiben Sie dran und im Kontakt mit Ihren Kindern.
  • Wie viel Modell sind wir als Eltern für unsere Kinder und welchen Einfluss haben wir auf sie?

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