4. Hilfe zur Selbsthilfe

Hallo liebe Leserin, lieber Leser,
 
ich hoffe, Sie hatten eine gute Woche. Heute wollen wir uns einmal ansehen, wie Sie nun nach einem Konflikt über die Smartphone-Nutzung wieder auf Ihr Kind zugehen und ein konstruktives Gespräch führen können. Vielleicht haben Sie sich mit Ihrem Kind mal wieder darüber gestritten, dass es zu viel Zeit mit seinem Phone verbracht hat, das Gerät immer zur Hand hatte, beim Essen, Fernsehen und sogar beim Spielen und Sie haben das Gefühl, dass das Familienleben darunter leidet.
 
In den vorherigen Kapiteln haben Sie bereits gelernt, dass es nicht hilfreich ist, wenn Sie mit Ihrem Kind ein Gespräch übers Smartphone führen wollen, während Sie sehr emotional sind. Sie haben auch erfahren, welche Schritte Sie unternehmen sollten, wenn Sie sich mit Ihrem Kind über sein Smartphone streiten. Ich führe sie hier noch einmal kurz an:
 
Sie haben gemerkt, dass Sie emotional sind. Sie haben Ihr Gefühl kurz benannt und gesagt, dass Sie sich jetzt zurückziehen. Sie erinnern sich? „Ich bin jetzt traurig/unsicher/verärgert/… und brauche etwas Zeit für mich/ziehe mich zurück/möchte jetzt etwas allein sein…..“.
 
Wie es nun weitergeht, um sich auf ein gutes Gespräch über das Smartphone-Thema zwischen Ihnen und Ihrem Kind vorzubereiten, erfahren Sie hier*:
Erst einmal müssen Sie sich Ihrer starken Gefühle wie Wut, Angst, Frust etc. entledigen, um ein sachliches und zielführendes Gespräch führen zu können. Suchen Sie dazu einen guten Platz für sich. Das kann Ihr Zimmer sein, wenn Ihnen ein eigenes zur Verfügung steht oder ein Gästezimmer. Sie können auch ganz aus der Wohnung gehen und sich einen Ort suchen, an dem Sie sich wohlfühlen.
 
Nehmen Sie ein Blatt Papier und malen Sie sich eine Skala von 0 bis 10 auf. Überlegen Sie, wie stark Ihr Gefühl gerade ist und markieren Sie dies auf der Skala. Je emotionaler Sie sind, desto höher die Zahl. Die Zahl 5 steht nicht zur Verfügung, entscheiden Sie sich für 4,5 oder 5,5.
 
Sagen Sie sich dann noch einmal ganz bewusst, dass das, was Ihr Kind im Streit mit Ihnen übers Smartphone gesagt oder getan hat, nicht gegen Sie gerichtet war. „Es hat nichts mit mir zu tun, dass mein Kind dauernd an seinem Smartphone hängt und nicht zum Abendessen kommt/nicht mit mir redet,…(denn Sie wissen ja: Ihr Kind kann sich gerade nicht vom Smartphone lösen).
 
Nehmen Sie erst einmal ihr Gefühl war. Sind Sie traurig? Wütend? Verzweifelt? Fühlen Sie sich allein? Sind Sie enttäuscht? Entmutigt? Niedergeschlagen? Aufgewühlt?
Bennen Sie Ihr Gefühl für sich und sagen Sie sich: „Ich bin traurig/wütend/……“. Es ist völlig in Ordnung, dass das so ist im Moment. Und es ist normal, dass sich das nicht schön anfühlt. Lassen Sie sich Zeit und nehmen Sie Ihr Gefühl oder Ihre Gefühle einfach nur wahr. „Ich bin jetzt grade verzweifelt/fühle mich allein/……und das ist in Ordnung so.“
 
Überprüfen Sie, ob sich dadurch schon etwas verändert. Sind Sie vielleicht schon weniger emotional? Können Sie schon spüren, dass Sie sich auf Ihrer Skala nach unten bewegen? Vielleicht müssen Sie aber vorher noch etwas tun? Ihre Wut rausschreien? Vor sich hinschimpfen? Eine Freundin/Freund anrufen? Weinen? Musik hören? Etwas schönes Lesen? In ein Kissen boxen? Finden Sie heraus, was Ihnen nützt, dass Sie Ihre Emotionalität weniger werden lassen können. Vielleicht Laufen? Hier ein Tipp: In Konflikten gerät der Körper in Stress und schüttet verschiedene Hormone aus. Diese werden am besten durch Bewegung abgebaut. Wenn Sie wenig Zeit haben, springen Sie im Zimmer herum, hüpfen Sie rauf und runter, schütteln Sie sich aus. Machen Sie Töne, Schreien oder Singen Sie. Nicht gut sind Frustessen, Rauchen oder Alkohol und ähnliches. Gut ist auch nicht, wenn Sie schlafen gehen und sich einfach die Decke über den Kopf ziehen. Lösen Sie Ihre Emotionen zuerst!
 
Machen Sie dies so lange, bis Sie deutlich merken, dass Ihre Emotionalität auf der Skala nach unten sinkt. Finden Sie einen Weg, einen Wert um die 3 oder darunter zu erreichen. Erst dann sind Sie wieder in der Lage, in einen guten Kontakt mit Ihrem Kind zu gehen und ein Gespräch übers Smartphone zu führen. Sie haben die Verantwortung für Ihre Gefühle. Seien Sie nicht frustriert, wenn Ihnen das nicht gleich gelingt. Es ist ganz normal, dass das wahrscheinlich erst einmal so sein wird. Denn auch hier gilt: Üben üben üben. Nützen Sie in der kommenden Woche jede Gelegenheit dazu!
Immer wenn Sie mit Ihrem Kind in Konflikt geraten über seine Nutzung des Smartphones, suchen Sie nach Wegen, Ihre Emotionen abzubauen und sich auf Ihrer Skala nach unten zu bewegen!
 
Warum dies alles? Gespräche übers Smartphone, bei denen alle Beteiligten emotional sind, sind in 90% der Fälle nicht hilfreich. Sie bestehen meist aus Vorwürfen und sind somit kontraproduktiv, verhärten die Fronten. Gelingt es Ihnen jedoch, sachlich, klar und wenig emotional Ihre Wünsche und Forderungen zu äußern, wird Ihr Kind viel mehr zur Kooperation bereit sein! Diese Erfahrung haben Sie sicherlich auch schon häufig gemacht. Überlegen Sie doch einmal, wann Ihnen dies in letzter Zeit gelungen ist?
 
Kommende Woche erfahren Sie mehr über die nächsten Schritte, mit denen Sie sich auf ein konstruktives Gespräch mit Ihrem Kind über die Nutzung des Smartphones vorbereiten können.
 
Ihre Eva-Maria Pitman
 
 

* Selbstverständlich ersetzen meine Anregungen keine Therapie und Sie sind selbst in der Verantwortung ggfs. einen Therapeuten aufzusuchen.

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