5. Bedürfnisse erkennen und im Gespräch klären

Guten Tag,
 
heute gehen wir einige Schritte weiter, mit denen Sie sich auf ein lösungsorientiertes Gespräch mit Ihrem Kind über seine Smartphone-Nutzung vorbereiten können. Vielleicht streiten Sie immer wieder darüber, dass Ihr Kind sein Gerät zu häufig benützt. Oder Sie haben bestimmte Funktionen gesperrt und geraten nun darüber in Konflikt.
 
Sie haben bereits gelernt (Blog 3 und 4), dass es hilfreich ist, im akuten Konflikt erst einmal die Situation und den Raum zu verlassen und dies vorher mitzuteilen. Dann wenden Sie sich Ihren Gefühlen zu und finden Wege, die Ihnen helfen, ihre Emotionalität abzubauen. Auf einer Skala von 0 (Null Emotionalität) bis 10 (schlimmer könnte es nicht sein) sprechen Sie erst wieder mit Ihrem Kind über die Auseinandersetzung, wenn Sie bei 3 oder darunter sind.
 
Hilfreich ist es im nächsten Schritt, auch Ihr Kind zu fragen, ob es schon bereit für ein Gespräch über seine Smartphonenutzung ist. Es ist wenig sinnvoll, ins Zimmer Ihres Kindes zu stürzen und loszuwettern: „Jetzt will ich endlich mal reden mit Dir. So geht das nicht weiter. Du nützt zu häufig Dein Handy, nie können wir zusammen in Ruhe Abend essen usw.“ Versuchen Sie sich in die Rolle Ihres Kindes zu versetzen.
 
Wie geht es Ihnen, wenn jemand mit so vielen Vorwürfen zu Ihnen kommt? Motiviert Sie das zur Kooperation? Respektieren Sie also auch die Grenzen Ihres Kindes. Vielleicht ist es noch nicht bereit für ein Gespräch. „Ja aber….“ werden Sie sagen.
 
Selbstverständlich sollen Sie ein Gespräch führen mit Ihrem Kind, der richtige Augenblick und die richtige Stimmung jedoch sind entscheiden für ein gutes Gelingen. Bleiben Sie also dran, fragen Sie ggfs. am nächsten Tag noch einmal nach und sagen Sie klar, dass Sie ein Gespräch möchten. Und fragen Sie Ihr Kind, wann es bereit ist, Sie können beispielsweise auch einen Zeitrahmen vorgeben. Hier ein Beispiel: „Ich möchte mit Dir über Deine Smartphone-Nutzung reden. Wann können wir das tun?“ Wenn Ihr Kind mit den Schultern zuckt, könnten Sie folgenden Vorschlag machen: „Okay, ich möchte es in den nächsten zwei Tagen tun, lass uns mal schauen im Kalender, wann Platz dafür ist und lass uns einen festen Termin eintragen.“
 
Im Gespräch ist es dann wichtig, dass Sie Ihrem Kind die Möglichkeit geben, sich zu äußern, seine Bedürfnisse und Gefühle zu benennen. Das bedeutet nicht, dass Sie die Wünsche Ihres Kindes erfüllen müssen. Wichtig ist jedoch erst einmal, diese überhaupt genau kennenzulernen. Das eröffnet die Möglichkeit, dass Sie Ihr Kind besser verstehen. Dann können Sie überlegen, ob und in welchen Punkten Sie sich auf Ihr Kind zubewegen möchten oder nicht.
Während Ihr Kind spricht, geben Sie keine Kommentare ab und bewerten Sie das Gesagte nicht, sondern hören Sie einfach nur zu. Wenn Sie dann Ihre Sicht der Dinge schildern, sprechen Sie nur in Ich – Sätzen und machen Sie keine Vorwürfe. Das kann eine große Herausforderung sein. Auch hier gilt: Üben Sie diese Art von Gesprächen und bleiben Sie am Ball, auch wenn es nicht gleich gelingt.
 
Wichtig ist: Es besteht ein großer Unterschied, ob Sie mit Ihrem Partner ein Lösungsgespräch führen oder mit Ihrem Kind. Ihr Partner ist erwachsen und für sein Leben und Handeln selbst zuständig. Für Ihr Kind jedoch tragen Sie einen großen Teil der Verantwortung. Je jünger es ist, desto mehr. Darum müssen Sie auch genau überlegen, was Sie möchten. Hierüber müssen Sie sich vor einem Gespräch mit Ihrem Kind klar geworden sein. Sie müssen wissen, welche Dinge Sie in die Hand nehmen wollen, wo kein Spielraum ist für Ihr Kind und wo es Möglichkeiten gibt, seine Bedürfnisse einzubeziehen. Überlegen Sie also vorher genau, wie lange Ihr Kind sein Gerät nützen soll, warum Sie die Nutzung vielleicht einschränken und bestimmte Apps sperren möchten. Wichtig ist auch, dass Sie sich darüber mit dem Vater/der Mutter Ihres Kindes einig werden, so dass Sie als Eltern die gleiche Botschaft transportieren.
 
In der nächsten Woche finden Sie ein Beispielgespräch über die Smartphone-Nutzung mit Ihrem Kind in meiner Kolumne.
 
Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit!
 
Ihre Eva-Maria Pitman

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