2. Smartphones für Kids – ab welchem Alter ist das sinnvoll?

Guten Tag,
ich freue mich, daß Sie am Ball bleiben und sich weiter über die Smartphone-Nutzung Ihrer Kinder informieren wollen.
 

Heute möchte ich der Frage weiter nachgehen, ab welchem Alter Sie Ihrem Kind ein Smartphone anvertrauen können, bzw. ob es überhaupt ein solches Gerät benötigt.
Ich erinnere mich an mein erstes Handy. Sie sicherlich auch. Und: Lange habe ich damals überlegt, ob ich eines benötige oder nicht. Muß ich wirklich ständig erreichbar sein, habe ich mich damals gefragt? Als ich dann eines hatte, habe ich es wohl fast täglich genutzt. Ich argumentierte damals damit, daß es für mich als Freiberuflerin doch wichtig sei, so wie alle anderen fortschrittlichen Geschäftsleute ganze vorne mit dabei zu sein. Ich wollte ja schließlich beruflich erfolgreich sein. Und sicherlich ist es Ihnen auch wichtig, daß Ihr Kind gut groß wird, einen Schulabschluß macht und einen Beruf erlernt.
 

Nun, lassen Sie uns überlegen: Sie sagen zu Ihrem 7jährigen Kind, es bekäme erst in ein paar Jahren sein erstes Smartphone. Vielleicht mit 12 oder 13. Sicherlich wird Ihr Kind erst einmal argumentieren, daß alle anderen doch auch eines hätten. Und sehen wir uns die Zahlen an: Nach den Ergebnissen einer Umfrage (BITKOM, Kinder und Jugend 3.0) benützen bereits ein Fünftel der 6- bis 7jährigen Smartphones (siehe Kolumne 1). Das sind in einer Klasse von 30 Kindern immerhin 6 Kinder. Gut, das sind nicht „alle“, aber irgendwie ist Ihnen diese Argumentationslinie Ihres Kindes ja vertraut. Selbst wenn Sie sich davon nicht beeindrucken lassen, werden Sie sich mit dem Thema weiter beschäftigen. Zwangsläufig, weil Ihr Kind Sie vielleicht täglich daran erinnern wird.
 

Warum also Ihr Kind nicht mit der Zeit gehen lassen, überlegen Sie vielleicht? Und dann kommt noch dazu: Sie wissen selbst, wie leicht und spielerisch man als Kind neue Dinge lernt. Warum also alles auf später verschieben? Zudem wird es heutzutage in jedem Job als selbstverständlich angesehen, mit all den Medien umgehen zu können. Computer, Internet, Handy, etc.pp müssen spielerisch handelbar sein. Selbst in Schulen gibt es bereits Laptopklassen, in denen Kinder schon in jungen Jahren an die Medien-Nutzung herangeführt werden. Sie werden sich vielleicht auch fragen, ob Sie Ihr Kind zu wenig fördern, wenn Sie ihm die Smartphone-Nutzung verbieten oder es sogar – weiter gedacht – daran hindern, später im Beruf erfolgreich zu sein.
 

Ein weiterer Punkt kommt dazu: Je älter Ihr Kind wird, desto mehr Gleichaltrige besitzen ein solches Gerät (im Alter von 12 bis 13 Jahren gehören Smartphones mit einer Verbreitung von 85 Prozent zur Standardausstattung, BITKOM, Kinder und Jugend 3.0, Kolumne 1) und nutzen beispielsweise Chats, um sich zu verabreden. Sie werden um dieses Thema und die Auseinandersetzung damit nicht drumherumkommen. Ich weiß aus meiner täglichen Praxis: Kinder und Jugendliche, die kein Smartphone besitzen, müssen sich tatsächlich aktiver und mehr darum bemühen, ihren Freundeskreis aufrechtzuerhalten. Mit einer Selbstverständlichkeit werden Verabredungen, Kinobesuche, ja sogar Lerngruppen über Chats organisiert. Und diese Infos werden Kindern und Jugendlichen, die ein solches Gerät nicht besitzen, oft vorenthalten.
 

Machen wir einen weiteren kleinen Ausflug: Eines der elementaren menschlichen Bedürfnisse ist der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Unsere ursprünglichste Gruppe ist die Familie, gefolgt von Freundeskreis, Schule, Sportverein uvm. Der US-Amerikanische Psychologe Abraham Maslow stellt eine Bedürfnis-Hierarchie auf: Als Wichtigstes nennt er die Befriedigung unserer physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, gefolgt von Sicherheit, daran schließen sich direkt die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse, zu denen Gruppenzugehörigkeit gehört, an. Schon kleine Babys bauen in ihren ersten Lebensmonaten Bindung auf. Es ermöglicht ihnen die Zugehörigkeit zu ihrer Familie, sichert ihnen das Überleben. Wenn die Kleinen ein paar Monate alt sind, weinen sie, wenn die Mama aus dem Zimmer geht und lassen sich von ihr beruhigen, wenn sie wiederkommt. Im ursprünglichsten Sinne bedeutet Zugehörigkeit zu einer Gruppe das Überleben. Vielleicht ist es u.a. auch darum so wichtig für Kinder, das zu haben, was der beste Freund, die beste Freundin hat?
 

Vielleicht überlegen Sie auch, wenn Sie ein Smartphone verbieten: Wird mein Kind dann von den Freunden, seiner Klasse ausgeschlossen? Ich meine nicht, das so etwas alleiniges Kriterium ist. Sie können Ihr Kind stärken, anders zu sein, zu sich zu stehen. Dennoch: Der Anteil der jungen Smartphone-Nutzer wird steigen, das ist absehbar.
 

Eine generelle Altersempfehlung für die Smartphone-Nutzung zu geben, halte ich für unmöglich. Letztendlich ist auch die Persönlichkeit und der Entwicklungsstand Ihres Kindes von Bedeutung. Hier nun keine konkrete Antwort auf die Altersfrage zu erhalten, mag Sie vielleicht etwas enttäuschen. Bleiben Sie am Ball und besuchen Sie meine Kolumne regelmäßig. Jede Woche erhalten Sie neue Impulse und Anregungen, die Sie in Ihrer Entscheidungsfähigkeit bestärken werden. Ich sage: Wenn Sie der Smartphone-Nutzung Ihres Kindes zustimmen, dann nur geschützt – zum Beispiel mit Protect Your Kid, besonders wenn Ihr Kind noch jung ist. Die Entscheidung, ob und in welchem Alter Sie der Nutzung zustimmen, müssen Sie treffen. Hierzu ist sicherlich wichtig, sich zu informieren, sich darüber mit anderen Eltern, Freunden und Fachleuten auszutauschen und im guten Kontakt und Gespräch darüber mit Ihrem Kind zu bleiben.
 

Ihre Eva-Maria Pitman

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